
... über die Kampfkunst

- Über die Kampfkunst
... die Verwirklichung des Selbst kann nur in einem erbarmungslosen Kampf gegen die eigenen Fehler, Schwächen und Illusionen gelingen. Will man die inneren Hindernisse überwinden, muss man die Geduld aufbringen, die eigenen Fehler unnachgiebig anzugehen und sich ihnen entgegenzustellen. In die gefährlichen Fallen Hochmut, Feigheit, Ungeduld, Zweifel allesamt durch Illusionen genährt sind schon viele getappt. Der Pfad ist gewunden, lang und schwierig...
Pascal Fauliot in: Die Kunst zu siegen, ohne zu Kämpfen 

- Von Kampfsport und Kampfkunst
Diese beiden Begrifflichkeiten werden aus Unkenntnis der bestehenden Unterschiede meist in einen Topf geworfen.
Unzweifelhaft besteht das grundlegende Motiv für jeden, der zu kämpfen lernen will, sicherlich darin, sich verteidigen zu können. Fitness, Kondition, damit einhergehendes Wohlbefinden und Aussehen spielen ebenso wie das Erlebnis von Gemeinschaftsgefühl eine sekundäre Rolle.
Oftmals ist das Bedürfnis nach persönlicher Sicherheit und/oder eine durchlebte bedrohliche oder gar traumatisierende Situation auslösendes Element für den Entschluss, eines der vielen Angebote zum Thema Selbstverteidigung zu nutzen. In so weit unterscheidet sich das Klientel der verschiedenen Kampfschulen nicht.
Damit enden die Gemeinsamkeiten von Kampfsport und Kampfkunst auch schon. 
Durch die unterschiedliche Zielsetzung und Philosophie der beiden Richtungen verzweigt sich der eingeschlagene Weg jedoch sehr schnell.
Der Kampf, als Sport ausgeübt, stellt letzten Endes den Wettbewerb und damit den Vergleich zweier Sportler in einer sportlichen Disziplin in den Vordergrund. Daraus zieht er seine Legitimation, dadurch bedarf er einer starken und starren Regelungsmaterie, so bestimmt er die erwünschte Verhaltensveränderung des Schülers in Bezug auf Kondition, Technikbeherrschung und vielfalt.
Zu diesem Regelwerk gehört der Ausschluss von Techniken, die den Gegner schwer verletzen, ihn dauerhaft schädigen oder gar töten würden. Auch die Einteilung in viele verschiedene Gewichtsklassen dient der Fairness und beugt ungleichen Paarungen und entsprechenden möglichen Verletzungen vor. 
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Kick-Boxen: Eine Kampfsportart mit Regeln, die Kämpfer vor schweren Verletzungen schützt. (Kickbox-Weltmeister Ramin Abtin in Aktion)
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Spezielle Übungen der Ausdauererhöhung wie Seilspringen, Lauftraining und Sandsack/Pratzen-Training sind für einen sportlichen Kampf über mehrere Runden unerlässlich, da Kraft und Ausdauer mitentscheidende Faktoren für den Ausgang des Kampfes bilden.
Insgesamt trägt somit jeder Kampfsport dem olympischen Gedanken (es handelt sich auch tatsächlich mittlerweile um olympische Disziplinen!) ebenso viel Rechnung wie Gewichtheben oder Rudern. 
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Thai-Boxen: Eine Kampfsportart, bei der auch Ellbogen- und Kniestöße erlaubt sind)
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Die Kampfkünste hingegen unterliegen keiner "zivilisierten Beugung" ihres Ursprungs: Entstanden aus der Not heraus, sich gegen bewaffnete oder unbewaffnete Verbrecher zu verteidigen, von denen weder Fairness noch Mitleid zu erwarten war, bedienen sie sich auch heute noch weithin tabuisierter oder unfairer Techniken und zielen ausdrücklich darauf ab, den Angreifer so zu bekämpfen, dass er keine zweite Chance erhält.
Kein Wettbewerb heißt: Keine Gewichtsklassen, keine Geschlechtertrennung, keine Altersunterschiede.
Den vorangestellten Gedanken folgend, darf man behaupten, dass sämtliche Kampfsportarten aus den Kampfkünsten hervorgingen und sich im Laufe der Zeit ihre jeweiligen sportlichen Nischen suchten und dadurch verfremdet wurden.
Deutlich wird dies nicht nur durch die unterschiedliche Reglementierung, sondern auch durch die Beschränkung auf einzelne der insgesamt 5 verschiedenen Kampfdistanzen.
 | Phase 1: Die Kampfsequenz mit Beinen
|  | Phase 2: Die Kampfsequenz mit Händen/Armen
|  | Phase 3: Die Kampfsequenz mit Ellbogen und Knien
|  | Phase 4: Die Kampfsequenz mit Halten, Hebeln, Kontrollieren, Würgen, Werfen, Gegenwerfen
|  | Phase 5: Die Kampfsequenz am Boden |
Mit Ausnahme des sog. Vale Tudo oder Free-Fight arbeiten alle Kampfsportarten ausschließlich innerhalb von einer, zwei oder maximal drei Distanzen. 

Die daraus resultierenden Techniken und Verhaltenstaktiken mögen innerhalb der einzelnen Kampfsportarten durchaus ihre Berechtigung und Funktion haben; in einer "freien" Auseinandersetzung ohne Restriktion von Distanz, eingesetztem Körperteil und Zielbereich (Gelenke, Genitalien, Kehlkopf usw.) gerät der solcherart disziplinierte Kämpfer ins Hintertreffen.
Die Spezialisierung auf Techniken in Abhängigkeit von der zulässigen, vielmehr zugelassenen Distanz kreiert wie so oft den Fachmann, der seine Expertise um den Preis der Vernachlässigung peripherer Fähigkeiten erlangt hat.
Wer gewinnt in dem Duell des guten Boxers gegen den guten Ringer?
Derjenige, der mehr von der Kampfwelt des anderen weiß, der komplettere Kämpfer.
In diesem Sinne steht der "Allrounder" im Fokus der Kampfkunst.
Ihre Lehre befasst sich also nach wie vor mit allen Distanzen, mit einer Vielzahl von möglichen Situationen und zur Anwendung gebrachter Waffen und nicht zuletzt mit dem Ziel, eine unumgängliche körperliche Auseinandersetzung schnell und kompromisslos zu beenden. 
- Asiatische Kampfkünste und Philosophie

Diese Kompromisslosigkeit sowie die Rigorosität und Gefährlichkeit der eingesetzten Techniken machen es mehr als bei allen Kampfsportarten unerlässlich, den so gerüsteten Krieger auch die Gewalt über das eigene Potenzial und den verantwortungsvollen Umgang mit seinen Fertigkeiten zu lehren.
Die sensible Wahrnehmung seiner Umwelt, die angemessene Reaktion auf sie, der bewusste Umgang mit ihr, all dies sind Bestandteile einer seriösen Kampfkunstausbildung.
Einflüsse des Taoismus und des Konfuzianismus durchziehen und leiten den Geist, der hinter der Vermittlung der rein handwerklichen Beherrschung der Techniken steht.
Die "innere Kultur" der Kampfkunst hat nichts zu tun mit religiöser Entrückung oder einer esoterisch-mystischen Verklärung der Realität , ihr Ziel besteht in der Mobilisierung der menschgegebenen natürlichen Resourcen und Fähigkeiten, um sie in jedweder Lebenssituation zur Anwendung bringen zu können.
So dient die Philosophie einer verantwortungsbewussten, allgemeinen und flexiblen Handlungsbefähigung des Menschen. 

- Die Drei Ebenen des Wing Tsun
KÖRPERLICHE SELBSTVERTEIDIGUNG
Die 1. und unterste Ebene im WingTsun besteht aus drei Ebenen, wobei die körperliche die unterste darstellt.
Hier geht es darum, seinen Körper vor den Angriffen anderer (Körper) zu schützen und körperliche Auseinandersetzungen erfolgreich zu bestehen. Dennoch ist auch das körperliche WingTsun keine Ansammlung von Techniken. Bestimmten Mottos oder Formeln folgend werden in Zusammenhang mit einer besonderen Bewegungsschule (Formen, Chi-Sao usw.) die nötigen Verteidigungs-„Bewegungen“ unmittelbar an den Angriff angepasst und vom Verteidiger (WT-Anwender) spontan kreiert.
STRATEGIE UND TAKTIK
Die 2. oder mittlere Ebene im WingTsun
Dieselben Formeln, die wir in der unteren, körperlichen Ebene benutzen, um damit unsere Kampf-Bewegungen zu generieren, dienen in der 2. Ebene, um Taktiken oder Strategeme zu entwickeln, die sich im äußeren Leben und seinen mannigfaltigen Manifestationen, im Beruf, in der Schule, in der Politik vorteilhaft einsetzen lassen.
In diesem Falle geht es nicht um Verteidigung des Körpers, sondern einer Position, der gesellschaftlicher Stellung, des Geschäftserfolges. Kurz, die mittlere Ebene lehrt, wie man mit Klugheit, Geschick und mit List in der äußeren Welt überlebt und sich gegen andere durchsetzt.
Aber diese Ebene muss am Ende vom Einzelnen überwunden werden, denn alles, was man so gewinnt, ist nicht für ewig und damit am Ende wertlos; letztlich stärken Taktiken und Management-Fähigkeiten (es sei denn, man täte nur selbstlos seine Pflicht) das Ego, die Wurzel von allem Übel und Leid. Darüber hinaus entwickelt Ebene zwei aber „Persönlichkeit“, die, wenn man sie von der „falschen Persönlichkeit“ trennt, die Nahrung ist, die das Material für die verkümmerte „Essenz“ bilden wird
SELBSTVERVOLLKOMMNUNG
Die 3., die höchste und wertvollste Ebene
Diese Ebene ist idealer Weise die Ebene der Meister bzw. Großmeister. Die höchste Lehre hat nichts damit zu tun, wie stark unser Fauststoß ist (körperliche Ebene), auch nicht damit, wie erfolgreich wir im Geschäft, beim anderen Geschlecht, also in der Außenwelt sind. „Denn was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“
Bei der 3. Ebene geht es um unsere Essenz, um unser wahres Leben, um unser Innenleben. Hier gilt es, nicht andere, sondern sich selbst (Neid, Hass, Frust, Selbstmitleid, Angst, verletzter Gerechtigkeitssinn, schlechte Gewohnheiten usw.) zu besiegen.
Indem wir den Weg der individuellen psychologischen Evolution beschreiten und uns z.B. von falschem Denken, von mechanischen körperlichen und geistigen Haltungen befreien, wollen wir uns in einen neuen, besseren und friedfertigen Menschen verwandeln. Nachdem wir entsprechend an uns gearbeitet haben, wird die Welt für unsere Nächsten eine bessere sein.
Ursprünglich arbeitete der WT-Anwender auf allen diesen drei Ebenen gleichzeitig an sich, als WingTsun aber an einfachere Menschen unterrichtet wurde, die nur das Körperliche verstehen konnten, fand eine Aufteilung in die drei verschiedenen Ebenen des Lernens statt. Die meisten Schulen, auch in Asien, kennen nur noch die körperliche Ebene und sind nie mit den anderen beiden in Berührung gekommen, zum Teil leugnen sie sogar ihre Existenz.
Tatsächlich durchziehen dieselben Mottos und Verhaltensformeln auf geniale Weise alle drei Ebenen, wobei sie besonders in ihrer höchsten Ebene den größten und langhaltigen Nutzen bringen.
("Die drei Ebenen des Wing Tsun" von GGM K.R. Kernspecht)


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