Ein Wort an die Eltern
Gewalt an der Schule ist ein Thema, welches in den Medien gegenwärtig wieder häufig aufgegriffen wird.
Viele Eltern glauben, dass ihre Kinder nicht davon betroffen sind – weder als Opfer noch als Täter.
Dies ist ein Irrtum.
Oft stehen die Verhaltensweisen der Kinder im elterlichen Umfeld im krassen Gegensatz zu deren Verhalten in der Schule: Der zuhause liebenswürdige, ausgeglichene Junge, der in der Schule zum Tyrannen seiner Klassenkameraden wird und das aufgeweckte, lebenslustige Mädchen, welches in der Schule in die Rolle der einsamen, gepiesackten Außenseiterin gedrängt wird.
Häufig merken die Eltern erst dann, dass etwas nicht stimmt, wenn die schulischen Leistungen aus unerklärbaren Gründen plötzlich abfallen oder die Kinder immer verstockter werden und in ihrer Aktivität nachlassen. Das Kind steckt in einem Dilemma: Einerseits kann es sich gegen die Angriffe nicht selbst zu Wehr setzen und steht auf der anderen Seite unter dem Gruppenzwang, nicht zu „petzen“; tut es dies, verstößt es gegen ungeschriebene Gesetze und wird als Folge davon im Klassenverband isoliert und alles wird noch schlimmer.
Sicherlich muss man nicht in allen Fällen eingreifen, wenn Kinder sich untereinander mal „kabbeln“, das ist natürlich. Wenn ein Kind jedoch am Abend mit Tränen in den Augen zu Bettchen geht und die Eltern fragt: „Muss ich morgen wieder in die Schule?“ oder mit Verletzungen vom Schulunterricht nach Hause kommt, dann sind dies Symptome, die ein Eingreifen von dritter Seite her gebieten.
Solche Situationen entstehen nicht urplötzlich ohne jegliche Vorzeichen. Sie haben eine Entwicklungsphase und eskalieren Schritt für Schritt in eine augenfällige Form der Gewalt.
In der Regel entsprechen solche gegängelten Kinder einem speziellen Opfer-Schema, welches von den Tätern instinktiv erkannt wird. Es ist das körperlich unterlegene, unsportliche, pummelige, schüchterne Kind (nicht selten genügt eines dieser Attribute, um stigmatisiert zu werden) welches unter den Quälereien leiden muss. Auch das intelligente Kind kann als Streber denunziert werden und bekommt dann beim Schulsport seinen „Denkzettel“.
Doch was tun, wenn Ihr Kind zum Opfer wird? Es von der Schule nehmen? Welche Schule bietet Schutz?
In erster Linie ist es Aufgabe der Lehrkräfte, Auffälligkeiten zu erkennen und frühzeitig Grenzen aufzuzeigen und Übertritte zu ahnden. Mit den Kindern zu reden und sie gegenseitigen Respekt und Rücksichtnahme zu lehren, ist der beste Weg solche Situationen zu meistern und zu vermeiden. Lehrer und Eltern stehen hier gleichermaßen in der Pflicht.
Eine weitere Möglichkeit, Ihr Kind vor Übergriffen zu schützen, ist die Schulung seines Selbstbewusstseins.
Das Erlernen einer Kampfkunst ist sicherlich die adäquateste Variante angesichts der Gefahr eines gewalttätigen, körperlichen Übergriffs. Eine solche Unterrichtung gibt dem Kind jedoch nicht nur die Fähigkeit, sich in dieser Extremsituation mit entsprechenden Selbstverteidigungstechniken zur Wehr zu setzen. Durch das Üben der Bewegungen entsteht mit der Zeit ein Gefühl der Sicherheit, auf gewalttätige Angriffe eine passende Antwort zu haben. Diese Sicherheit erlaubt es Ihrem Kind die Opferrolle abzulegen und so der Gefahr einer sich langsam steigernden, in der gewalttätigen Eskalation gipfelnden Auseinandersetzung gar nicht erst ausgesetzt zu werden.
Eine gute Kampfkunstschule hat jedoch nicht nur die Aufgabe der Schulung von körperlichen Aspekten einer Kampfkunst. Sie lehrt immer nach dem Prinzip der Einheit von Körper und Geist.
So ist eine Kampfkunstschule neben einem Ort der körperlichen Ertüchtigung auch insbesondere ein Hort des respektvollen und rücksichtsvollen Umgangs miteinander.
Gerade für Kinder und Jugendliche ist die chinesische Kampfkunst Wing Tsun besonders geeignet – wurde dieser Kung Fu Stil doch von einer Frau entwickelt, um sich mittels einer ausgeklügelten Technik gegen körperlich überlegene Angreifer effektiv zur Wehr zu setzen.
Gemäß der taoistischen Philosophie, deren technische Umsetzung sich in den Konzepten der Wing Tsun–Kampfkunst widerspiegelt, verhält sich der Angegriffene wie ein Fluss, der ins Meer fließt. Kommt ihm ein Fels in die Quere, lässt er sich von ihm nicht aufhalten. Allen Hindernissen zum Trotz erreicht er sein Ziel.
In der Anwendung setzt der Wing Tsun Schüler dies um, in dem er lernt, eine größere Kraft als die Eigene nicht mit Widerstand aufzuhalten, sondern nachzugeben und den Angreifer ins Leere laufen zu lassen, ähnlich des Toreros im Kampf mit dem Stier.